ist bei mir etwas untergegangen:
Martin Lorber, PR-Chef von EA, äußerte sich wie folgt dazu:
"Leider hatte ich keine Gelegenheit, bei dem Internationen Medienkongress Computerspiele und Gewalt in München dabei zu sein. Die Veranstalter hatten kein Interesse daran, mit den Leuten zu diskutieren, die die Spiele, die dort kritisiert wurden, herstellen. Das fand ich zunächst sehr bedauerlich, weil ich schon lange vor dem Kongress meine Bereitschaft bekundet habe, dort Rede und Antwort zu stehen. Wenn ich aber jetzt höre, auf welch niedrigen Niveau dort offensichtlich diskutiert wurde, bin ich froh keine Zeit verschwendet zu haben. Sollte Frau Regine Pfeiffer tatsächlich dermaßen die Fassung verloren haben und Electronic Arts als "Schweinefirma" bezeichnet haben, dann kann ich nur empfehlen, sich in aller Form zu entschuldigen - jedenfalls, wenn sie die Chance wahren möchte, in Zukunft wieder Ernst genommen zu werden."
Killerspiel-Kritiker Christian Pfeiffer empfiehlt: Rugby statt GTA 4, World of Warcraft ab 18 Jahren
Prof. Christian PfeifferBildquelle: kfn.de
Prof. Christian PfeifferBildquelle: kfn.de
Eigentlich hat er ja nichts dagegen, wenn es hier und da rüpelhaft zur Sache geht. Schlimm seien lediglich Spiele "mit solch exzessiven Gewaltorgien, wie man sie bei Der Pate und Grand Theft Auto 4 sieht." Professor Christian Pfeiffer bleibt hart mit seinen Verbotsforderungen, wenn es um Härte in interaktiven Unterhaltungsmedien geht. Im Interview mit International Games Magazine (IGM, Ausgabe 01/2009) holt er zum Paukenschlag aus. Und nennt Rugby als gute Alternative. Der "exzessiven Gewalt" wegen.
Im Manne schlummere nun mal "ein hohes Potenzial an Selbstverteidigungsfähigkeit", aus "Arterhaltungsgründen". Aggression müsse abgerufen werden, mit Ballsport, nicht am Computer: "Diese Kampfbereitschaft der Jungen kann man dadurch auffangen, dass man ihnen in Ganztagsschulen nachmittags Rugby anbietet. Ein exzessiver Gewalt-Männersport, wunderbar in den Rollen und im Austobungspotenzial." Videospiele seien in diesem Zusammenhang "überflüssig wie ein Kropf."
Natürlich behaupte die Spiele-Industrie Gegenteiliges, "Gewaltexzesse in Computerspielen hätten keine gewaltsteigernde Wirkung, und stützt das mit gekaufter Forschung." Aktuell in seinem Visier: World of Warcraft, Pfeiffer fordert den USK-18-Stempel. "[...] in der aktuellen Version werden Menschen getötet, und dann kommt die Aufforderung, Ratten zu fangen, damit diese die Körper abnagen. Es gibt Folterszenen, es werden Splitterbomben eingesetzt", begründet er seine These.
Wir haben unsere World of Warcraft-Experten zum Thema befragt. Der Kern der Aussage sei kein falscher, die Formulierung aber übertrieben gewählt. "Ja, die Quest mit den Affenbabys empfand ich persönlich als fies", meint Nadine Wangler von PC Games WoW. Und differenziert: "Trotzdem halte ich die Formulierung 'mit Elektroschocks gequält‘ für übertrieben. Man soll die Affen pieksen, mit einem Stöckchen, es macht 'wusch‘, das Baby fiepst. Das war's. [...] Von Folter kann hier keine Rede sein."
Patrick Stiegel (PC Games WoW) urteilt objektiv: "Die Rattenfänger-Quest findet tatsächlich in der Einführung des Todesritters statt. Allerdings sollte man erwähnen, dass der Spieler durch eine Geschichte geführt wird, in der er als Diener des Lich Königs das Böse repräsentiert. Am Ende der Einführung sagt sich der Spieler vom Lich König ab." Nichtsdestotrotz, die derzeitige Freigabe "ab 12 Jahren" sollte die USK laut Stiegel überdenken. "Einige Gewaltszenen haben mich schon in der Beta-Version zu Denken gegeben."
Am Ende bleibt die Tatsache, dass sich ein Fünkchen Wahrheit auch in manch Pfeiffer'scher These versteckt. Versteckt unter einem Hammer, gemeißelt aus pauschalisierenden, harschen Formulierungen. Die jüngste Vergangenheit zeichnete ein solches Bild, ein schonungsloses und von Härte geprägtes. Im Vordergrund standen Verbote, keine Alternativen, Wörter wie "verstümmeln", "zersägen" und "Menschenrechtsverletzung". Im IGM-Interview geht es auch um "Ganztagsschulen", "Wissensvermittlung" und "Erhöhung von Freizeitangeboten in Deutschland". Aber diese Worte verstecken sich noch. Vielleicht steht uns in Zukunft eine Diskussion bevor, die ihren Namen zurecht trägt.
quelle:pcgames.de